Herbert Schmidts Reisetagebuch

Teil 9: Lions Gate Bridge, Whitehorse, Five Finger Rapids

Vancouver, Prince George, Dawson Creek, Fort Nelson, Watson Lake, Whitehorse, Moose Creek (hinter Carmacks), Eagle Plains, Inuvik, Eagle Plains, Dawson City, Fairbanks, Anchorage, Portage, Glenallen, Beaver Creek, Whitehorse, Skagway, Upper Liard, Kitwanga, Quesnel, Vancouver, Pemberton, Clearwater, Jasper, Lake Louise, Calgary, Lake Louise, Revelstoke, Nakusp, Castlegar, Osoyoos, Kelowna, Vernon, Revelstoke, Lake Louise, Canmore, Calgary (10. Juli - 31. August 2015)

Am 10. Juli erreiche ich Vancouver, eine Stadt, die ich stets in angenehmer Erinnerung habe. Kampiere wieder nahe am Zentrum unterhalb der  Lions Gate Bridge, aber jetzt sind je Tag 44 Kanadadollar (CAD) fällig. Doch trübt sich an den folgenden Tagen das Wetter ein, und es lohnt nicht, auf den Grouse Mountain zu fahren, der eine umfassende Rundumsicht bietet. So bleibt mir nur der Besuch der Altstadt, die reichlich Unterhaltung bietet. Für 7,5 CAD bekommen Senioren ein 24h-Ticket für alle Bahnen, Busse und Fähren, wovon ich gerne Gebrauch mache.

Zwei Tage bleibe ich, dann geht es auf der 97 nach Norden in Richtung Prince George. In Lac La Hache mache ich Station und erreiche Prince George am nächsten Nachmittag. Da es noch zu früh ist, die heutige Etappe zu beenden, fahre ich noch weiter bis Tudyah Lake.
Dawson Creek steuere ich am 14. Juli an. Hier beginnt der Alaska Highway (Hwy), der 1942 in neun Monaten bis Fairbanks als offene Straße gebaut worden ist. Heute ist er durchgehend asphaltiert, schwach frequentiert, bisweilen gibt es lange Baustellen, im Großen und Ganzen aber ist er angenehm zu befahren. Ich rolle noch weiter bis Sikanni Chief und kampiere dort. Fort Nelson passiere ich am nächsten Tag, schaue mir das Museum mit Oldtimern an und setze meine Fahrt noch bis Liard River fort. Watson Lake erreiche ich am 16. Juli.

Der Ort ist bekannt durch zahllose Ortsschilder. Begonnen hat es damit, dass einer der GIs, die den Alkan 1942 gebaut haben, Heimweh hatte - wer hat das nicht fern der Heimat? - und das Schild seines Heimatortes aufstellte. Das Beispiel machte Schule, und in mehr als 70 Jahren entstand ein Schilderwald. Die deutschen
Schilder sind gelb und somit leicht zu orten. Aber das Schild meiner Heimatstadt Herne habe ich vergeblich gesucht. Bochum ist dabei.

Irgendein Insekt beißt/sticht mich in die linke Wange, die darauf schmerzhaft anschwillt. Nach zwei Tagen geht die Schwellung ins linke Ohr über. Cortisonsalben helfen da wenig, und erst nach vier Tagen ist der Spuk vorüber. Whitehorse, die gemütliche Hauptstadt des Yukon, steht am 17. Juli auf meinem Plan. Das Robert Service Camp ist stets mein Domizil. Ist ein internationaler Treff mit vielen interessanten Backpackern, Hikern, Kanuten etc. Das Mc Bride Museum ist immer einen Besuch wert und ebenso der Raddampfer Klondike II (Klondike I lief auf eine Sandbank und wurde zum Wrack). Am nahen Airport gibt es auch ein Museum, dessen Themen die Luftfahrt und der 2. Weltkrieg sind.

Die Bezeichnung Whitehorse stammt von den früheren Stromschnellen des Yukon Flusses. Aus der Ferne sahen sie aus wie die Mähnen galoppierender weißer Pferde. Später hat man einen Damm samt Kraftwerk errichtet, um die Stadt mit Strom zu versorgen. Bleibe bis zum 23. Juli in Whitehorse und befahre den Klondike Hwy bis Carmacks, mache eine Pause an den Five Finger Rapids, die jetzt, nachdem das Hochwasser infolge der Schneeschmelze vorbei ist, harmlos wirken und rolle noch bis Moose Creek, wo ich ein schönes Camp vorfinde.

Der nördliche Wendepunkt meiner Reise - Inuvik - kommt näher. Wir schreiben den 24. Juli, und ich biege 60 km vor Dawson City rechts ab auf den Dempster Hwy. Bei meinem ersten Besuch 1990 habe ich das auch gemacht und war begeistert von der absoluten Einsamkeit dieser Gegend. Das wollte ich noch einmal erleben. Damals hatte ich gutes Wetter, aber jetzt ist das nicht der Fall. Staub und Matsch lösen einander ab und mein Wagen wird total eingesaut. Auf halbem Wege mache ich in Eagle Plains Station und setze meine Fahrt am 25. Juli über Fort Mc Pherson fort bis zur Fährstation am Mc Kenzie River. Habe hinten rechts einen Plattfuß - welch ein Albtraum! Einheimische helfen mir, das Reserverad zu montieren. Bei nasskaltem Wetter fahre ich vorsichtig noch 100 km weiter bis Inuvik, 100 km vor dem Eismeer. Viel zu bieten hat dieser Ort mit ca. 1.300 Einwohnern nicht und mir graut schon vor der Rückfahrt auf offener Straße mit viel Schlamm und noch mehr Schlaglöchern.

Am 27. Juli verlasse ich Inuvik, mache wieder Station in Eagle Plains und treffe am 28. Juli in der ehemaligen Goldgräberstadt Dawson City ein, wo ich mich bis zum 1. August einniste. Der ganze Ort mit Holzbürgersteigen und vielen restaurierten Gebäuden ist ein einziges Museum und ganz auf Tourismus eingestellt. Es werden Führungen angeboten, die man nicht verpassen sollte. Bei klarer Sicht auf den Hausberg, den Dom, fahren
und 700 m über Dawson die Rundumsicht geniessen! Und selbstverständlich darf ein Abstecher zum Klondike und Bonanza Creek nicht fehlen.

Die restaurierte Dredge No. 4 (Bagger) hat in ca. 40 Jahren acht Tonnen Gold geschürft. Am 1. August nehme ich Abschied und fahre über den Top of the World Hwy nach Fairbanks, Alaska. Der Hwy verläuft in großer Höhe und bietet fantastische Ausblicke. Aber er ist eine offene Straße mit entsprechend viel Staub. An der US Grenze erhalte ich eine Info, die meine Reiseplanung durcheinander wirbelt. Der Grenzbeamte erklärt mir, dass mein US Visum am 20. August abläuft und nicht verlängert werden kann. Ich müsse ein neues Visum beantragen, was ich nur im US Konsulat in Vancouver machen könne. Stimmt ganz und gar nicht, denn in jeder großen Stadt in Kanada gibt es ein US Konsulat. Somit muss ich möglichst bald nach Vancouver zurückkehren. Den Abstecher auf die Aleuteninseln kann ich mir nun von der Backe pusten und mich damit trösten, dass ich ca. 700 Euro einspare und dass ich in zwei Jahren, wenn ich Alaska wieder bereisen werde, dieses einmalige Erlebnis nachholen kann.

Weiter geht es über Tok bis Fairbanks. Bleibe bis zum 4. August und mache mich auf den Weg nach Anchorage. Der Denali Nationalpark liegt auf meiner Strecke, und erstmals bekomme ich den Mt. Denali ohne Wolken vor die Linse. 42 miles (67 km) vor Anchorage finde ich in Wasilla ein einfaches Camp, wo ich übernachten muss, denn es ist schon 22 Uhr. Am 5. August passiere ich Anchorage, halte mich nicht lange auf und steuere meinen westlichen Wendepunkt Portage an. Der Gletscher, der noch bei meiner letzten Reise in 2008 bis zum Meer reichte ist nunmehr deutlich geschrumpft. Der Klimawandel ließe sich kaum drastischer beweisen. Ich fahre noch am selben Tage weiter bis Glenallen. Zurück in Kanada mache ich in Beaver Creek Station und trudele am 7. August wieder in Whitehorse ein. Die Lachse sind inzwischen angekommen und somit lohnt sich ein Besuch der dortigen Lachstreppe. Am 8. August geht es weiter nach Skagway, Alaska. Dort landeten vor ca. 120 Jahren die Goldsucher, überwanden den White Pass, bauten sich Boote im Quellgebiet des Yukon Flusses und paddelten bis zum 900 km entfernten Dawson City. Heute hat sich Skagway ganz auf Touristen eingestellt und besteht fast nur aus Souvenir- und Schmuckgeschäften. Täglich läuft ein Kreuzfahrtschiff den Ort an und bringt 2.000 bis 3.000 Kreuzfahrer, allesamt zahlungskräftige Senioren.

Auf dem Wege nach Vancouver rolle ich am 9. August bis Upper Liard, wo der Cassiar Hwy beginnt. Den fahre ich am Folgetag ab. Anfangs geht es durch hügeliges Land, aber nach einem Drittel der Strecke wird es gebirgig und schön. Westkanada ist mit derartigen Landschaften reichlich gesegnet, die allesamt fast unberührt sind. Nun verstehe ich auch, warum Kanada zu den Ländern mit der höchsten Lebensqualität zählt. Im letzten Drittel des Hwys tauchen viele Schwarzbären auf, und einmal muss ich scharf bremsen, um eine Kollision zu verhindern. Übernachte heute in Kitwanga.

Vancouver rückt näher, aber ich muss am 11. August noch eine Zwischenstation in Quesnel einlegen und erreiche mein Ziel am 12. August. Das US Konsulat im Zentrum ist leicht zu finden. Beantragen kann man das Visum nur im Internet, was nicht klappt. Bekomme die Info, dass ich das Visum auch in Calgary beantragen kann. So mache ich mich am 14. August wieder auf die Socken und nehme die schöne Strecke über Whistler bis Pemberton, und am 15. August geht es weiter über Kamloops bis Clearwater, wo ich bereits im Sommer 1990 kampiert habe.

Die nächste Station ist Jasper, ein ganzjähriges Touristenzentrum, wo ich am Abend des 18. August ankomme. Der Ort ist sehr gepflegt und kann viele schöne Gebäude aufweisen. Ich kann heute nichts mehr unternehmen und hole das Versäumte morgen nach. Fahre am nächsten Tage zur Jasper Skytram, einer Kabinenbahn, die 1964 von einer deutschen Firma gebaut worden ist. In sieben Min. schwebt man auf den 2.462 m hohen Mt. Whistler, läuft noch ca. 300 m höher und genießt die 360° Rundumsicht, heute (19. August) bei gutem Wetter. Schon beeindruckend, die gewaltigen Bergriesen in ihren bizarren Formen. Bei der Weiterfahrt gen Süden erlebe ich wieder einen Albtraum: Der rechte Vorderreifen ist platt. Hilfe vom kanadischen Autoclub gibt es nicht. Aber glücklicherweise halten einige Autofahrer an und wollen helfen. Nach 3 Stunden kann ich meine Fahrt mit dem Reserverad fortsetzen. Kampiere vor Lake Louise im schönen Wilcox Camp und erreiche Calgary am 20. August.

Finde mich am Morgen des 21. August im US Konsulat in Calgary ein und bekomme Hilfe von einer benachbarten Agentur - gegen 30 CAD. Wie lange es dauern wird, bis ich das Visum bekommen werde, kann man mir nicht sagen. Somit rolle ich wieder zurück nach Lake Louise und gleich weiter bis Revelstoke über zwei Pässe: Kicking Horse und Rogers. Am ersten Pass befinden sich die berühmten Spiraltunnel der Canadian Pacific Railways. Ich habe Glück, denn es nähert sich ein Güterzug. Güterzüge bestehen aus 100 bis 200 Waggons, sind zwei bis vier km lang und werden von vier Dieselloks gezogen und geschoben: Zwei vorne, eine mittig und eine am Ende des Zuges. Wenn der vordere Zugteil den oberen Tunnel verlässt, fährt erst der mittlere Teil unten ein, und es dauert ca. zehn Minuten, bis der Zug bei langsamer Fahrt den Höhenunterschied geschafft hat.

Die Etappe ab Revelstoke habe ich 2008 mit dem Fahrrad zurückgelegt, teilweise auf still gelegten Bahnstrecken. Nun habe ich es bequemer. Fahre bis Nakusp, dann nach Castlegar, Osoyoos, Kelowna, Vernon und über Revelstoke zurück nach Lake Louise und weiter auf Hwy 1 bis Canmore, wo ich am Freitag, dem 28. August eintreffe. Will am 31. August auf dem Konsulat in Calgary sein und niste mich drei Nächte ein.      

Infobox
Einreise:
Pass, ab Einreisedatum darf man in Kanada 180 Tage bleiben.

Geld:
1 Euro = 1,42 bis 1,50 CAD

Transport:

eigenes Fahrzeug erforderlich

Unterkunft:
Campingplätze, je nach Ausstattung 12 bis 40 CAD

Gefahren und Ärgernisse:

Nicht erwähnenswert

Verständigung:
Englisch

Kosten:
Genaue Angabe nicht möglich, da ich z. Zt. nicht weiß, wie viel USD ich bekomme, wenn ich meinen Wagen verkaufe.
Leb.-mittel im Supermarkt sind so teuer wie bei uns, Bier ist doppelt so teuer, Spritpreis je Liter ca. 80 Eurocent