Herbert Schmidts Reisetagebuch

Teil 10: Old Faithful, Mount Rushmore und die Niagarafälle

Route ab Calgary, Alberta: High River, Milk River (Park "Writing on  Stone"), Frank, Elko, Grand Forks, Hope, Vancouver, Squamish, Vancouver (Visum USA) (31. August bis 07. Oktober 2015)
USA: Misoula, West Yellowstone, Grant Village, Teton Park, Yellowstone Valley Inn, Moorcroft, Mt. Rushmore, Kadoka, Blue Earth, Madison, Flint
Kanada: London (Ontario), Toronto, Newmarket, Killarney Park, Pembroke, Ottawa, Montreal, Quebec

Ich verlasse Calgary in der Hoffnung, bald einen Vorstellungstermin im amerikanischen Konsulat zu bekommen und niste mich fünf Tage in High River ein, ca. 60 km südlich auf dem Highway 2. Nach telefonischer Rückfrage im Konsulat erfahre ich, dass in Calgary vor November keine Termine frei sind, aber in Vancouver gibt es noch zwei Termine am 11. September. Was tun mit der Zeit? Fahre am 5. September 240 km südwärts nach Milky River unweit der US-Grenze. In der Nähe (47 km!) befindet sich der Park "Writing on Stone", der ein spirituelles Zentrum der Schwarzfuss-Indianer war. Es gibt nicht viel zu sehen, sodass sich der Abstecher nicht lohnt. So nehme ich am 7. September den Highway 4 bis Lethbridge und dann den Highway 3 West bis Elko.

Passiere zuvor den Ort Frank, wo am 29. April 1903 ein Teil des Turtle Mountains abbrach und den Ort unter sich begrub, wobei mehr als 600 Einwohner ums Leben kamen. Die Schwarzfuss-Indianer hatten immer vor dem Berg, dem Wandernden, gewarnt, wurden aber nicht ernst genommen. Erreiche Elko am Abend und bin der einzige Gast auf dem kleinen Camp. Nach Mitternacht rumpelt es an meinem Auto. Ich schlage gegen die Wand, um das unbekannte Tier zu vertreiben. Am Morgen sehe ich die Bescherung: Ein Bär, dessen Spuren deutlich zu erkennen sind, hat versucht, an meine Kühltasche auf dem Dach zu gelangen. Glücklicherweise war er sehr scheu. Ich fahre weiter nach Westen auf dem Highway 3 bis Hope, eine insgesamt schöne Strecke mit mehreren Pässen, wobei ich noch in Grand Forks Station mache.

Vancouver
ist nicht mehr weit, wo ich am 10. September morgens eintreffe und wieder das Capilano Camp unterhalb der Lions Gate Bridge wähle. Heute habe ich gute Fernsicht, die ich vor zwei Monaten infolge riesiger Waldbrände in Washington, USA, nicht hatte. Also geht es auf den Grouse Mountain mit freier Sicht über die Stadt bis zum weit entfernten Mt. Baker in den USA.

Nun schreiben wir  Freitag, 11. September. Ich muss um 7.45 Uhr auf dem amerikanischen Konsulat sein. Dort sind die Kontrollen schärfer als auf den Flughäfen. Der angegebene Termin wird nicht eingehalten. Habe gegen 10 Uhr ein Fünf-Minuten-Interview. Der Beamte hinter Glas ist sehr nett und an meiner Reise interessiert. Der Visaerteilung steht nichts im Wege, aber die erfolgt erst nach zwei Werktagen. Bekomme einen Termin für Dienstag, 15. September, um 14.20 Uhr. Da ich nun vier Tage Zeit habe, fahre ich ins nahe Squamish und lege eine Pause ein. Natürlich bin ich pünktlich am 15. September im amerikansichen Konsulat, bekomme mein Visum und fahre los in Richtung Seattle, USA, und dann weiter auf der I 90 (Interstate), wo ich gegen Mitternacht einen gut eingerichteten Rastplatz aufsuche.

Auch am nächsten Tage benutze ich einen Rastplatz zum Übernachten. In Cardwell verlasse ich die I 90 und rolle über die Highways 2, 41, 287 und 191 bis West Yellowstone. Etwa 60 km vor dem Ziel geht es über einen Pass, wo der erste Schnee gefallen ist mit Schneematsch auf der Fahrbahn, der schnell verschwindet, sobald es abwärts geht. In West Yellowstone mache ich für heute, 17. September, Station. Der Eintritt in den Park am nächsten Tag kostet 30 USD, mit Grand Teton Park 50 USD, die ich spare, da mein Pass für alle US-Parks gültig ist. Die große Attraktion des Yellowstone Parks, der Geysir Old Faithful, steht am Folgetag auf meinem Programm.

Den gleichen Wunsch haben jährlich drei Millionen Besucher. Als ich eintreffe, ist die nächste Eruption für 13.59 Uhr berechnet. Eine Minute zuvor wird der Geysir aktiv. Das Spektkel dauert nur wenige Minuten. Fahre zurück nach Grant Village und weiter in den Teton Park bis Jenny Lake, wo ich übernachte. Der Teton besticht durch sein alpines Erscheinungsbild.

Am 20. September kriege ich um 6.30 Uhr früh die Kurve, denn eine lange Fahrt steht an. Erreiche den Ostausgang des Yellowstone Parks am späten Abend und fahre noch bis Yellowstone Valley Inn. Tags darauf geht es weiter auf dem Highway 16 bis Moorcroft, wo ich wieder auf einer Rest Area übernachte. Rapid City und das Mt. Rushmore Memorial sind nicht mehr weit entfernt, wo die vier Präsidenten Washingten, Jeffersen, Roosevelt und Lincoln in kolossaler Form verewigt sind.



Von Crazy Horse hatte ich noch nichts gehört. Bekomme den Rat, dieses Monument, das noch unvollendet ist, auf jeden Fall zu besuchen. Crazy Horse war ein Sioux Häuptling, dessen offizieller Name Tasunke Witko war, und der mit 35 Jahren bei Kampfhandlungen ums Leben kam. Das war 1877. Der Bildhauer Korczak Ziolkowsky begann 1948, ihm ein Denkmal zu gestalten, das die vier Präsidentenköpfe am Mt. Rushmore übertreffen soll. Er hat noch alte Indianer getroffen, die Crazy Horse gekannt haben. Nach ihren Schilderungen hat er seine Gesichtszüge geformt. Es kann aber noch 50 Jahre dauern, bis es vollendet ist. Crazy Horse zeigt auf das Land, wo sein Volk begraben ist. Ziolkowsky starb 1982. Seine Kinder setzen sein Lebenswerk fort.

Mein nächstes Ziel sind die Niagarafälle, aber die sind noch weit weg, und ich erreiche sie erst am 27. September. Fahre auf der I 90, die direkt zu ihnen führt auf amerikanischer Seite. Meine Stationen sind Kadoka, Blue Earth, Madison und Flint. Im Grossraum Chicago wechsele ich von der I 90 auf die I 94 und dann auf die I 69 nach Port Huron, Kanada. Übernachte in London und habe am 27. September nur drei Stunden zu fahren, bis ich Niagara erreicht habe. Es ist sonnig, die Fälle sind wie immer spektakulär und viel Volk ist am heutigen Sonntag auf den Beinen. Drei Stunden bleibe ich und steuere dann Toronto an. Die Stadt hat flächenmäßig riesige Ausmaße erreicht, aber Campingplätze gibt es nicht. So muss ich weiter nordwärts fahren bis Newmarket. Ein Camp ist nicht zu finden, und ich muss die Nacht auf dem Parkplatz von Walmart verbringen.

Am nächsten Tag erreiche ich den Killarney Nationalpark, wo ich zwei Tage bleibe. Nach Lonely Planet (Reiseführer) soll er der schönste Park Ontarios sein, was ich nicht bestätigen kann. Mache twei Wanderungen und ziehe am 30. September enttäuscht von dannen.

Pembroke
ist nur eine Zwischenstation auf dem Wege nach Ottawa, Kanadas Hauptstadt. Die erreiche ich am 01. Oktober. In Kanata, zehn km vor den Zentrum, buche ich zwei Nächte im Camp. Zur Stadtmitte besteht eine gute Busverbindung, die ich am 02. Oktober in Anspruch nehme. Parliament Hill und die nähere Umgebung sind englisch geprägt. Bekomme eine Führung gratis durchs Parlamentsgebäude, dessen Schmuckstück die Bibliothek ist. Zusammensetzung und Funktion des Parlaments werden detailliert geschildert. Staatsoberhaupt ist Queen Elizabeth II, die auch Königin von Kanada ist. Kanada hat keinen Präsidenten. Die Queen wird durch einen Generalgouverneur vertreten. Die Reden im Plenarsaal werden sowohl auf Englisch als auch auf Französisch vorgetragen. Die MPs müssen beide Sprachen beherrschen. Zuvor mache ich einen ausgedehnten Spaziergang durchs Regierungsviertel.

Nun wird es französisch, denn ab Montreal, nur 200 km entfernt, wird Französisch gesprochen. Die Beschilderung erfolgt auch in dieser Sprache, was für mich kein Problem ist. Montreal hat nicht allzu viel zu bieten. Ich treffe noch zwei Schweizer, und wir bummeln gemeinsam durch die Altstadt, deren Juwel die Kathedrale Notre Dame ist.

Quebec, meine letzte Station in Kanada, rückt in greifbare Nähe, denn es ist nur drei Autostunden entfernt. Buche zwei Nächte im KOA Camp im Vorort Levis. Das Zentrum erreicht man am besten, wenn man mit dem Auto zur Fähre in Levis fährt, es dort gegen 6 CAD abstellt und per Schiff den St. Lorenzstrom überquert. Man ist gleich in der Altstadt, deren Prachtstück das Chateau Frontenac ist, das heute als Hotel genutzt wird. Die Altstadt ist fast komplett restauriert und zum Weltkulturerbe erklärt worden. Spaziere durch verschiedene Viertel und genieße das französische Flair. Quebec ist die schönste Stadt, die ich in Kanada besucht habe.

Mittlerweile habe ich schon 33.000 km zurückgelegt, und das Fahren über große Entfernungen ist doch sehr anstrengend. Eine Pause würde mir gut tun, aber es wird kälter und die immer kürzer werdenden Tage zwingen mich zur Fortsetzung meiner Reise. Hoffe dabei auch mehr vom Indian Summer zu sehen, der in diesem Jahre später als sonst anbricht weil der erste Frost auch später kam. Zur Zeit des Indian Summers zeigen die Wälder eine Farbenpracht, die es bei uns nicht gibt. Einstweilen gibt es allerorten Baustellen auf den Highways. Die Arbeiten müssen bis zum Anbruch des Winters, der immer sehr kalt ist, beendet sein. Was mir dann auch noch aufgefallen ist, sind die vielen überfahrenen Waschbären an den Straßenrändern. Offenbar muss es viele von ihnen geben.

Die letzte Etappe meiner Reise steht an. Sie führt durch die Neu England Staaten bis hinunter nach Florida.      


Infobox
Geld:
1 Euro = 1,50 CAD (kanadischer Dollar) und 1,12 USD. Die Kurse schwanken.

Unterkunft:
Kanada:

High River, Camp George Lane, 20 CAD
Milky River, Camp 8 Flags, 10 CAD, gut
Elko, Motel + RV (Recreational Vehicle) Park, 16 CAD
Grand Forks, Camp Municipal, 18 CAD
Hope, Camp Telte Yet, 17,50 CAD
Vancouver, Capilano, 44 CAD
Squamish, Klahanie Camp, 31 CAD

USA:
Rest Areas auf den Highways gratis. Meistens gut eingerichtet. Duschen fehlen.
West Yellowstone, Camp vor dem Ort, 16 USD, noch akzeptabel
Grant Village, Yellowstone, Camp, 30 USD
Jenny Lake, Teton Park, Camp Gros Ventre, 24 USD
Yellowstone Valley Inn, 47 USD + 6,75 USD Frühstück. Zu empfehlen.
Moorcroft, Rest Area
Kadoka, Rest Area
Blue Earth, Camp Fairgrounds, erste Nacht gratis
Madison, Rest Area Columbia County
Flint, Rest Area

Kanada
London, Ontario, Campers Corner, 34 CAD
Newmarket, Walmart Parkplatz gratis
Killarney NP, Camp am George Lake, 44 CAD
Pembroke, Riverside Camp, 31 CAD
Ottawa, Camp in Kanata 32 CAD
Montreal, KOA Camp in Saint Philippe, 32 CAD, gut
Quebec, KOA Camp in Levis, 33 CAD, gut