Herbert Schmidts Reisetagebuch

Teil 6: Nicaragua See, Half Moon Bay und Ruinen der Mayas

Mittelamerika: Panama, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Belize (01. April - 25. April 2015)

Mittelamerika besteht aus mehreren kleinen Staaten, weshalb ich sie in meinem Bericht zusammenfasse.

Um 20 Uhr legt die Fähre in Colon an. Bei der Einreise werde ich erstmals nach einem Weiterreiseticket gefragt. Kann den Beamten klarmachen, dass ich mit dem Bus weiterreise, aber im Internet kein Busticket buchen konnte. Zücke meine Kreditkarten und kann passieren.

Panama City ist noch 80 km entfernt. Es ist aber kein Problem, heute noch dorthin zu kommen, da es entsprechende Angebote privater Busgesellschaften gibt. Schließe mich anderen Reisenden an und habe um 22.30 Uhr eine passende Unterkunft gefunden.

Am nächsten Tag (2. April) sehe ich mir die Stadt genauer an. Panama strahlt Wohlstand aus dank des Kanals, dessen Betrieb nie ruht. Im Durchschnitt kostet eine Durchfahrt, die 12 Stunden dauert, 40.0000 USD. Den zehnfachen Betrag kostet die Umrundung Südamerikas, wenn der Kanal nicht benutzt wird. Also wird er benutzt, und die Staatseinnahmen sprudeln. Die Altstadt ist nicht gerade prächtig; das sind die zahlreichen Hochbauten, allesamt architektonisch gelungen. Ich fahre mit dem Bus nach Colon, wo ich gestern angekommen war. Um 17.15 Uhr geht dort ein Zug ab nach Balboa am Pazifik. Die Fahrt über 75 Minuten (25 USD) geht teils am Gatun See, 28 m über NN entlang, teils durch den Dschungel. Der See speist die Schleusen in Colon (Atlantik) und Balboa/Miraflores (Pazifik). Der von Menschenhand gebaute Kanal ist nur wenige Kilometer lang; den größten Teil der Strecke legen die Schiffe auf dem Gatun See zurück. Die Schleusen besichtigt man in Miraflores.

Dazu besteige ich am 3. April den Hop-On-Hop-Off-Bus, der mich nach Miraflores bringt. Hier gibt es ein Museum, in dem sowohl der Bau als auch der Betrieb des Kanals dargestellt wird. Von mehreren Plattformen aus kann man den Schleusenvorgang in unmittelbarer Nähe beobachten. Da die alten Schleusen große Containerschiffe nicht fassen, hat man mit dem Bau entsprechend großer Schleusen bereits begonnen.

Costa Rica ist mein nächstes Ziel, aber heute, am 4. April, nicht zu erreichen, es sei denn, ich nehme eine Nachtfahrt in Kauf, wovor mir stets graut. So fahre ich nur bis David und übernachte dort. Am 5. April ist Ostersonntag, und alle Fernbusse sind ausgebucht. Nehme einen Kleinbus zur Grenze, wo man bei der Ausreise meinen Impfpass sehen will. Das erste Mal auf meiner Reise. Der Kommentar lautet "perfekt". Drei Stunden vergehen, bis ich um 14 Uhr weiter komme. Es gibt noch einen freien Platz in einem Fernbus zur Hauptstadt Costa Ricas, San José. 20 USD sind fällig ohne Ticket. Wohin das Geld geht, kann sich jeder denken, aber mir ist es egal. Erreiche mein Ziel gegen 20 Uhr und bin kurz darauf in meiner ausgesuchten Unterkunft, wo ich zwei Nächte bleiben werde.

Der 6. April, Ostermontag, ist kein Feiertag in Costa Rica. Habe mir Medikamente zu besorgen, was einige Stunden dauert. San José liegt so hoch, dass die Temperaturen erträglich werden. Costa Rica ist wohlhabend im Vergleich zu seinem Nachbarn Nicaragua. Es hat auch landschaftlich viel zu bieten, was ich aus zeitlichen Gründen nicht ausnutzen kann. So geht es dann am 7. April weiter nach Norden. Passiere die Grenze zu Nicaragua problemlos und erreiche Rivas nach Einbruch der Dunkelheit. Mein Ziel ist die Insel Ometepe im Nicaragua See. Die wenigen Kilometer nach San Jorge lege ich im Taxi zurück und übernachte hier. Am nächsten Morgen nehme ich die Fähre zur Insel Ometepe. Mein Ziel ist Santo Domingo, Altagracia, wo meine Heimatstadt Herne das Hilfsprojekt Ometepe-Alemania betreibt. Kann den Projektleiter am folgenden Tag kurz sprechen, wobei ich nur wenig über die partnerschaftlichen Beziehungen erfahre. Drei Tage wollte ich bleiben, aber das lohnt sich nicht. Der Strand weist keine Einrichtungen auf, das Wasser ist trübe, und der Wind erreicht nachmittags fast Sturmstärke. Außerdem ist es viel zu teuer.

So drehe ich am 9. April bei und fahre bis Granada am Nordufer des Sees. Die historische Altstadt ist durchdrungen vom Flair kolonialer Zeiten. Als Tourist findet man alles, was man braucht. Ich fühle mich wohl, treffe interessante Backpacker und bleibe zwei Tage. Zur Landeshauptstadt Managua rolle ich weiter am 11. April, halte mich nicht auf und nehme den nächsten Bus zur Grenze von Honduras. Die Entfernungen sind nicht groß, sodass ich die Landeshauptstadt Tegucigalpa gegen 22 Uhr erreiche. Hilfsbereite Taxifahrer wittern ihr Geschäft, und ich bin froh, ein geeignetes Quartier gegenüber der Buslinie Kamaldy zu bekommen. Morgen (12. April) geht um 7.40 Uhr ein Bus ab nach La Ceiba an der Atlantikküste. Habe dort Anschluss an die Schnellfähre, die um 16.30 Uhr zur Insel Roatan ablegt und um 17.50 Uhr dort anlegt. Nehme ein Taxi zum ca. 20 km entfernten West End und finde in der Half Moon Bay ein preiswertes Hotel direkt am Strand, wo ich sieben Tage bleiben werde. Habe mir zum Ziel gesetzt, den SCUBA Tauchschein zu erwerben. SCUBA = Self Contained Underwater Breathing Aparatus - verstanden? Melde mich am folgenden Tage bei der nächsten Tauchschule an. Nach der Untersuchung beim Doc geht es dann gleich zur Sache. Aber zuerst einmal im seichten Wasser mit voller Ausrüstung. An den nächsten beiden Tagen geht es ins tiefe Wasser, bis 18 m. Dabei muss man oft den Druckausgleich vornehmen, d. h., die Nase zudrücken und pressen, weil der Druck auf die Ohren zu stark wird. Auch das Auftauchen muss gelernt werden. Langsam, langsam, sonst kann die Lunge Schaden nehmen. Unangenehm ist die Abnahme der Taucherbrille unter Wasser und das Wiederaufsetzen mit Wegpusten des Wassers. Bei allen Tauchgängen erlebe ich die fantastische Unterwasserwelt: Korallen in allen Farben und Formen, Schildkröten und Fische aller Größen und Farben. Manchmal zieht ein Schwarm von Fischen vorbei, die sich so schnell bewegen wie Vögel in der Luft. Ich mache noch zwei zusätzliche Tauchgänge bis 22 m, weil ich sobald keine Gelegenheit dazu haben werde. Jeden Abend wird die Theorie gepaukt, denn ich will ja am 17. April die Prüfung bestehen, was letztendlich auch klappt. Darf nun 40 m tief tauchen, was ich tunlichst vermeiden werde. 10 m reichen!

Am 18. April heißt es Abschied nehmen von der paradiesischen Karibikinsel Roatan. Um 7.10 Uhr legt die Fähre ab. Habe in La Ceiba Busanschlus nach San Pedro Sula und dort Verbindung nach Copan Ruinas, wo ich um 18.30 Uhr eintreffe. Morgen werde ich mir die Ruinen der Mayas ansehen, die großartige Baumeister waren. Ihre zahlreichen sonstigen Errungenschaften lassen sich an dieser Stelle gar nicht aufzählen. Der Vogelpark außerhalb des Ortes ist eine weitere Attraktion, den ich vor meiner Abreise am 20. April, 12 Uhr, aufsuche. Die Papageien sind zahm, so zahm, dass man sie auf seine Schultern nehmen kann.

Die Weiterfahrt geht zur nahen Grenze, deren Übertritt reibungslos verläuft. Zuerst wird Guatemala City angesteuert, und dann sind es noch 50 km bis Antigua, wo ich um 19 Uhr eintreffe. Morgen (21. April) werde ich gegen 20 Euro einen Führer anheuern und zwei Stunden lang durchs Zentrum gehen. 1974 gab es ein Erdbeben der Stärke 8, dem 60.000 Bewohner zum Opfer fielen. Die Schäden sind nach 41 Jahren noch nicht beseitigt und können in vielen Fällen aus bautechnischen Gründen gar nicht behoben werden. Etliche Häuser der ehemaligen Oberschicht sind zu Hotels umfunktioniert worden. Sehr stilvoll, aber sehr teuer!

Den Lake Atitlan habe ich aus 1974 noch in guter Erinnerung. Damals war es klar und sonnig, aber heute, am 22. April, ist und bleibt es diesig. Auf zur letzten Etappe: Tikal. Gegen 225 USD lasse ich mir ein Pauschalpaket schnüren. Werde am 23. April am Hostel abgeholt und im Taxi bis zum Busbf. in Guatemala City gefahren. Dann geht es mit dem Reisebus bis Flores am schönen Lago Petén Itza (See). Die Maya Ruinen von Tikal sind noch 55 km entfernt. Dorthin fahre ich morgen (23. April) im Minibus zusammen mit anderen Reisenden und kompetentem Führer.

Das Ruinenfeld ist weitläufig, und die Hitze macht allen zu schaffen, insbesondere dann, wenn man die Pyramiden besteigt. Aber es lohnt sich, denn die Bauwerke sind sehr beeindruckend. Habe solche großen und hohen Pyramiden bisher noch nicht gesehen.

Meine kurze Pauschalreise geht bis Belize City. Werde um 7.40 Uhr am Hotel abgeholt und reise im Kleinbus mit weiteren Touristen zunächst bis zur Grenze, deren Übergang zügig über die Bühne geht. An der Fährstation endet die Fahrt gegen Mittag. Habe in Belize keinen Aufenthalt geplant. Also nehme ich ein Taxi zum Busbf. Der ist alles andere als modern und sauber. Ich will heute noch Chetumal, Mexico, hinter der Grenze erreichen. Dorthin verkehren stündlich Chickenbusse. Das sind ausgemusterte US-Schulbusse. Da man früher auch Federvieh (chicken) in Körben mitnahm, hat sich die entsprechende Bezeichnung eingebürgert. Ich kann um 12.30 Uhr losfahren und muss bis 16 Uhr die Tortur ertragen. Die Ausreisesteuer beträgt 15 USD. Ich werde nicht so schnell abgefertigt wie die anderen einheimischen Reisenden, und der Chickenbus ist schon weitergefahren, als ich die Ausreiseformalitäten erledigt habe. Was dann folgt, ahne ich noch nicht.

Infobox
Einreise
im Großen und Ganzen jeweils ohne Probleme

Geld
1 Euro (Kurs schwankt)
Panama 1,08 USD, Costa Rica 564 Colones, Nicaragua 28,7 Cordobas, Honduras 22 Lempiras, Guatemala 8 Quetzal, Belize 2,1 Belize Dollar

Transport
Ausschließlich per Bus, Komfort unterschiedlich

Unterkunft
überall großes Angebot, meine Wahl (Zi.+ Bd.+AC)
Panama, Hotel Andino, 35 USD, noch akzeptabel
David, Hostel Chambre en Ville, 25 USD, sehr gut
San José, Hostel mi Casa, o. AC, mit Fr. 20.000 Colones
San Jorge am Nicaragua See, Hotel Southern Noches , mit Fr., 22 USD
Santo Domingo (Ometepe), Hotel Buena Vista, o. AC, o. Fr., 530 Cordobas, bescheiden
Granada, Hostel Cocibolca, o.AC, o. Fr. 427 Cordobas
Tegucigalpa, Hotel Union,o. AC, o. Fr., 18 USD
Insel Roatan, West End, Hotel Dolphin, 30 USD
Copan Ruinas, Hostel Carrillo, o. AC, 300 Lempira
Antigua, Hostel El Pasar de los Anos, o. AC, 24USD
Flores, La Mensa de los Mayas, 20 USD (im Pauschalpreis enthalten)

Gefahren und Ärgernisse, Verständigung
Wie gehabt in den zuvor bereisten Ländern.

Kosten in Euro

Panama 400, Costa Rica 150, Nicaragua 200, Honduras 290 + Tauchschein 400, Guatemala 440, Belize 30