Herbert Schmidts Reisetagebuch

Teil 5: Goldmuseum und Wächter zum Schutz der Verstorbenen

Kolumbien (15. März - 31. März 2015)

Der übliche Stress des Grenzübergangs steht heute an. Mit Bus und Taxi lege ich die 6,5 km bis Rumichaca zurück. Die Formalitäten sind schnell erledigt und die Mitreisenden sind hilfsbereit, wenn es darum geht, den richtigen Bus zum kolumbianischen Grenzort Ipiales zu nehmen.

Dort habe ich gleich Anschluss nach Popayan über Pasto. Die Strecke führt durch eine Hochgebirgslandschaft mit tiefen Schluchten und zählt zu den schönsten meiner Reise. Leider gibt es keine Fotostops, und dazu missachtet der Fahrer alle Verkehrsregeln. Fühle mich ganz und gar nicht sicher. Kann nun auch verstehen, warum sich so viele Reisende vor der Abfahrt bekreuzigen. Es ist schon finster, als ich mein Ziel erreiche.

Wie in fast allen Städten liegen die Busterminals mehr oder weniger weit vom Zentrum entfernt, sodass man stets ein Taxi nehmen muss. Die Taxifahrer kennen sich aus und sind immer behilflich bei der Quatierssuche. Ich habe Glück und finde schnell ein gutes Hotel hinter der Kathedrale. Drei Nächte buche ich, damit ich mir "die weiße Stadt" zwei volle Tage ansehen kann. Sie ist sauber, gepflegt und weist schöne Kolonialgebäude auf. Elektrische Leitungen sind im Boden verlegt, sodass kein hässlicher "Kabelsalat" das Stadtbild zerstört. Die Kirchen weisen aber nicht mehr die Pacht auf, die ich in den zuvor bereisten Ländern bewundert habe. Die Regenzeit ist näher gerückt, und mit exakter Regelmäßigkeit gehen nachmittags schwere Schauer nieder.

Am 18. März rolle ich weiter nach San Agustin, einem Muss in Kolumbien, denn hier und in der weiteren Umgebung ist man auf die Reste prähistorischer Zivilisationen gestoßen. Die sieht man sich am besten im Rahmen einer geführten Tour an, womit der 19. März ausgefüllt ist.

Was aus grauer Vorzeit übrig geblieben ist, sind Grabkammern der damaligen gesellschaftlichen Oberschicht, gefüllt mit Beigaben für die Reise ins Jenseits. Und natürlich ist immer ein Wächter zum Schutze des Verstorbenen anwesend (s. Foto). Meine  Reise geht weiter zur Landeshauptstadt Bogota. Und da ich nächtliche Busfahrten nach Möglichkeit vermeide, mache ich Station in Neiva  und treffe am 22. März in Bogota ein. Im Juli 1975 war ich erstmals dort. Meine damalige Unterkunft "Virgen del Carmen" hatte ich mit "angenehm" eingestuft, weshalb ich wieder dort absteigen wollte. Heute nennt sich das Hotel "Aparta Hotel Lisboa". Es liegt nur 1 km vom historischen Zentrum entfernt, grenzt aber ans Rotlichtviertel. Trotz Warnung seitens des Hotelpersonals wage ich einen Rundgang. Es liegt viel Müll herum, Obdachlose schlafen auf den Bürgersteigen im Dreck - welch ein Elend!  Die Bordsteinschwalben lassen sich von attraktiv bis abstoßend einstufen. Ihre Tarife kann ich nicht erfahren, da ich es nicht wage, sie anzusprechen, denn man wird sie dann nicht mehr los.

Am nächsten Tag (23. März) ist Feiertag, und viele Einrichtungen sind geschlossen. Kann daher  nur durch die Altstadt bummeln. Sobald man sie verlässt, sieht es in Bogota recht elendig, schmutzig und marode aus. Nur dann und wann hellt ein renoviertes Gebäude die Stimmung auf.

Der folgende Tag ist ausgefüllt mit einer kostenlosen Stadtführung samt militärischer Begleitung, die völlig überflüssig ist und einem Besuch des Goldmuseums bei freiem Eintritt für Senioren. Erfahre eine ganze Menge über die Geschichte der Stadt und ihrer Prachtbauten. Die im Museum ausgestellten Objekte vermitteln einen Eindruck über das künstlerische Schaffen in vorspanischer Zeit. Der Besuch des Museums ist ein Muss.

Heute (25. März) muss wieder eine Reisetortur in Kauf genommen werden. Habe zwei Abfahrten, eine mittags und eine abends, zur Auswahl. Ca. 1.400 km sind in 22 Stunden zurückzulegen, also wieder eine Nacht im Bus! Der Abendbus ist bequemer und teurer, aber in der Dunkelheit sehe ich nichts von der fantastischen Gebirgslandschaft nördlich von Bogota. Also nehme ich den Bus um 12.30 Uhr. Leider ist und bleibt es diesig, sodass ich nicht einmal fotografieren kann. Die Straßen sind schlecht, der Bus ist viel zu laut, rappelt, schaukelt und schlingert ständig. Das Schlimmste ist die Klimaanlage (AC), die nur mit voller Kraft arbeitet, sodass alle frieren. Nachts ist es angenehm warm, und man kann auf die AC verzichten und Energie sparen. Aber das ist in Ländern, die sich Energieverschwendung gar nicht leisten können, kein Thema.

Endlich, am 26. März, gegen 11 Uhr, wird Cartagena de Indios ( "de Indios" fügt man an, um die Stadt nicht mit Cartagena in Spanien zu verwechseln) erreicht und damit ist meine letzte Etappe in Südamerika zurückgelegt. Für sieben Euro geht es per Taxi ins historische Zentrum, wo in der Calle San Andres zahlreiche Hotels, Hostels, Restaurants und Reisebüros auf Touristen warten. Im Casa Eugenia richte ich mich auf fünf Nächte ein. Habe somit die Gelegenheit, mich erst einmal von der strapaziösen Busfahrt zu erholen. Die Altstadt mit vielen schönen, renovierten Gebäuden kann man zu Fuss "erobern". Von den diversen Museen sollte man das Inquisitionsmuseum nicht verpassen. Gänsehaut garantiert! Wenn man den Hop-On - Hop-Off  Bus nimmt, bekommt man auch die modernen Außenbezirke und die alte Festung, die einen Rundgang lohnt, vor die Kamera.

Am 31. März geht es weiter mit Ziel Panama. Es gibt eine Fährverbindung nach Colon, Panama, verbunden mit den üblichen chaotischen Begleiterscheinungen: Am 27. März finde ich nach langem Suchen und Durchfragen das Büro der Fährlinie "Express Ferries" in der Altstadt. Ein Ticket kann man mir nicht ausstellen, da der Computer versagt. Ich solle am Montag (30. März) wiederkommen, was ich auch tue. Vergebens, denn im Internet kann man nicht buchen, wohl aber reservieren, was man mir nicht mitteilt. Ich bekomme die Info, dass ich das Ticket auf dem Schiff kaufen könne. Selbiges gehe am 31. März um 16 Uhr ab. Also bin ich um 14.30 Uhr am Anleger. Dort erfahre ich, dass das Schiff um 19 Uhr ablegt. Alle Passagiere mit Reservierung können einchecken. Muss 2 1/2 Stunden zusammen mit acht weiteren Reisenden warten, bevor ich auch einchecken kann. Das Einchecken wird so gründlich vorgenommen wie im Airport. Bei einigen hundert Passagieren dauert das entsprechend lange. Endlich, um 22 Uhr, legt die Fähre ab. Auf Sicherheit legt man keinen Wert. Rettungswesten habe ich nirgendwo entdecken können.Habe Deck Class gebucht, aber im großen Salon wird es dank AC nachts so kalt, dass ich lieber an Deck, wo es angenehm warm ist, meinem nächsten Ziel, Panama, entgegenschlummere.  

Infobox
Einreise
Wie gehabt in den zuvor bereisten Ländern.

Geld

1 Euro = 2.800 Pesos, 1 USD = 2.400 P.

Transport
Bus wie gehabt.

Unterkunft

Angebot groß! Meine Wahl (Zi. + Bd.):
Popayan, Hotel Marandu (hinter der Kathedrale), 40.000 o. Fr.
San Agustin, Hotel Las  Moyas, 20.000 mit Fr.
Neiva, Hotel Boutique El Poblado, 120.000 mit Fr., sehr schön!
Bogota, Aparta Hotel Lisboa, 22.000, kalt!
Cartagena de Indios, Casa Eugenia, Calle San Andres, 65.000 o. Fr.

Gefahren und Ärgernisse

Bus- und Taxifahrten. Die StVO wird ständig ignoriert.

Verständigung
Spanisch wie gehabt.

Kosten
855 Euro