Herbert Schmidts Reisetagebuch

Teil 4: Teufelsnase, Schildkröten und Leguane

Ecuador und Galapagos Inseln (17. Februar - 15. März 2015)

Eigentlich hatte ich gar nicht geplant, Guayaquil in Ecuador anzusteuern, aber ich bekam in Lima ein günstiges Angebot per Bus. Und heimlich spekulierte ich auf ein preiswertes Angebot für einen Abstecher zu den Galapagos Inseln. Meine Spekulation ging nicht auf und
nach vier Tagen in feuchter, tropischer Hitze nahm ich den Kleinbus nach Cuenca, Weltkulturerbe und von mir sowieso ausgewählt.

Es geht 1 1/2 Stunden zügig durch flaches Land, und dann klettert der Bus hinauf ins Gebirge bis auf 2.400 m mit fantastischen Aussichten. Es herrschen angenehme Temperaturen und angenehm ist auch mein Ziel, die Stadt Cuenca, die noch schöner ist als Cusco in Peru. Hier sind nicht nur die touristischen Highlights, sondern auch die Nebenstraßen gut "in Schuss" und sauber. Bleibe ebenfalls vier Tage hier und mache noch einen Abstecher nach Ingapirca, wo vor ca. 7.000 Jahren die Canaris von Mexico kommend eine Festung angelegt hatten. Später eroberten die Inkas ihr Staatsgebiet, und ab 1500 plünderten die Spanier ihr Land aus.

Am 24. Februar fahre ich weiter nordwärts nach Alausi, wo ich für eine Nacht Station mache. Von hier aus werden täglich drei Bahnfahrten zur Teufelsnase, einem Steilfelsen, angeboten. Bei schönem Wetter nehme ich um 8 Uhr den Zug. 500 m beträgt der Höhenunterschied von Alausi nach Simbambe. Dabei ist die Teufelsnase zu passieren. Hier geht es auf Serpentinen vor- und rückwärts hinunter nach Simbambe, wo sich die Strecke teilt. Geradeaus weiter führt die heute stillgelegte Linie nach Cuenca und rechts biegt der Zug ab nach Guayaquil. Quito - Guayaquil ist renoviert worden, aber es verkehren nur dann und wann Züge für Touristen. Die Fahrkarten sind viel zu teuer, und somit liegt das Geschäft am Boden.

Die Weiterreise nach Quito am selben Tag ist kein Problem, da alle 30 Min. ein Bus abgeht nach Riobamba mit Anschluss zur Landeshauptstadt, wo ich gegen 18 Uhr eintreffe. Aber es dauert noch eine Stunde, bis ich das historische Zentrum erreiche, da der Busbf. weit draußen liegt. Ein preiswertes Hotel ist schnell gefunden, in dem ich mich für die nächsten beiden Tage einrichte.

Am folgenden Tage (26. Februar) bin ich bis 16 Uhr damit beschäftigt, meinen Abstecher auf die Galapagos Inseln zu organisieren. Lasse mich in einem Reisebüro beraten, wo man mir den Tipp gibt, mit LAN Ecuador zu fliegen. Als Senior zahle ich nur 346 statt 550 Euro. Muss aber per Taxi das Büro der Airline aufsuchen, da es die preiswerten Tickets nur dort gibt. Das kostet viel Zeit und 10 $. Lege mich zeitlich fest: Abflug 28. Februar, Rückflug 13. März. Das Programm für acht Tage belastet mein Budget mit 1.350 $. Vier Tage sind noch frei, die ich an Ort und Stelle ausfüllen werde.

Es bleibt heute nicht mehr viel Zeit, die prachtvollen Gebäude im historischen Zentrum zu besichtigen. Aber morgen habe ich einen ganzen Tag Zeit, mich umzusehen. Dazu nehme ich den stündlich verkehrenden Hop-on - Hop-off Bus, der alle Sehenswürdigkeiten der Stadt ansteuert. Von den Kirchen, die ich besuche, ist La Compania zu erwähnen, weil man nur noch Gold sieht. Ca. 25 kg Blattgold sind verarbeitet worden - ad maiorem dei gloriam - leider darf man nicht fotografieren, auch nicht heimlich, denn das Aufsichtspersonal ist omnipräsent.

28. Februar: Ein Highlight meiner Reise steht bevor, denn ich fliege zu den Galapagos Inseln. Vor 60 Jahren habe ich in der Realschule gelernt, dass Charles Darwin dort Flora und Fauna studiert und seine damals heftig umstrittene Evolutionstheorie entwickelt hat. Die Frage, ob wir vom Affen abstammen, hat unser Biologielehrer bejaht, der Religionslehrer hingegen nicht, worüber ich heute nur lächeln kann. So ändern sich die Zeiten. Damals konnten wir nur von den Galapagos Inseln träumen, erreichen konnten wir sie nicht. Jetzt habe ich die Gelegenheit dazu, und ich ergreife sie. Nach der Landung auf der Insel Baltra muss die Uhr um eine Stunde zurück gestellt werden. Es ist 15 Uhr. 100 $ Eintritt sind zu entrichten. Ich werde von Jorge abgeholt. Er ist für die Durchführung meines Programms zuständig. Von der kleinen Insel Baltra geht es nach 3 km auf die Insel Santa Cruz. Die wird durchquert über 42 km bis Puerto Ayora, wo ich mich im Hotel Galapagos Islands für drei Tage einniste.

Noch am selben Nachmittag fahre ich mit Edwin ins Innere der Insel Santa Cruz. Mir fällt auf, dass sie üppig grün ist. Nun erfahre ich, dass ca. 32.000 Menschen sich auf mehrere Inseln verteilen. Sie leben von Tourismus, Fischfang und Landwirtschaft. Es ist nicht zu heiß, sodass man auch Milchkühe halten kann. Wir steuern ein Schutzgehege für Schildkröten an, die ein Alter von 200 Jahren erreichen können. Die Männchen wiegen bis zu 200 kg, doppelt so viel wie die Weibchen. Die ersten Seefahrer, die hierher kamen, bedienten sich der Schildkröten als Frischfleischlieferanten und brachten sie an den Rand des Aussterbens. Ebenso schlimm war die Einführung von Ziegen, die den einheimischen Tieren alles wegfraßen und ihren Bestand bedrohten. Als man endlich die Einmaligkeit von Flora und Fauna auf den Galapagos Inseln erkannt hatte, fing man an, verwilderte Ziegen, Hunde und Katzen sowie Ratten auszurotten.

Den nächsten Tag (1. März) verbringe ich mit Schnorcheln. Fahre zusammen mit sechs weiteren Touristen quer durch Santa Cruz nach Norden und dann weiter per Boot zur unbewohnten Insel Daphne. Wir schnorcheln in unmittelbarer Nähe zu Seelöwen, die an uns nicht interessiert sind, zu denen ich aber lieber Abstand halte. Insgesamt gehen wir dreimal ins Wasser, das nur mäßig warm ist.

Den 2. März habe ich zur freien Verfügung. Wandere zur Darwin Station, wo sich u. a. Aufzuchtgehege für Landschildkröten und -leguane befinden. Die feuchte Hitze - die Sonne steht mittags senkrecht - macht es nicht gerade zu einem Vergnügen. Dennoch ist es lohnenswert, da eine Menge Infos über Fauna und Flora sowie Darwins Forschungen geboten werden.

Am 3. März geht es wieder ins Wasser. 40 Min. dauert die Überfahrt zur unbewohnten Insel Santa Fe. Wir schnorcheln zweimal, und ich bekomme einen Sonnenbrand auf dem Rücken, da man ja immer kurz auftaucht und seine Haut der Sonne aussetzt. Zu sehen gibt es eine ganze Menge an Fischen, auch harmlosen Riffhaien, Schildkröten und Leguanen. Aber farbige Korallen sucht man vergeblich.

Am 4. März steht die zweistündige Überfahrt zur Nachbarinsel Isabela an. Ein Horrortrip! Das Boot fährt 45 km/h und schlägt bei rauer See oft auf. Alles andere als ein Vergnügen! Der angesteuerte Hauptort Villamil ist staubig, denn alle Straßen sind offen. Morgen, am 5. März, steigen wir auf zum Vulkan Sierra Negra, dessen Caldera einen Durchmesser von 12 km hat. Zurück nach Santa Cruz geht es noch am Nachmittag, wieder ein Horrortrip. Ab 18 Uhr erfolgt die Einschiffung auf der Yacht Eden. Jorge hat mir für 600 $ eine Minikreuzfahrt vermittelt. Sie endet am 8. März nach dem Frühstück. Wir laufen die Inseln Floreana (6. März) und Espaniola (7. März) an. Dabei schnorcheln und wandern wir wechselweise und steuern Meeresbuchten an, die nur von See her zu erreichen sind.

Puerto Baquerizo Moreno auf der Insel San Cristobal ist meine letzte Station. Alle Straßen sind gepflastert und sauber. Tauben und herrenlose Straßenhunde gibt es nicht. Aber an den Stränden im Hafen liegen Seelöwen zu Hunderten - und stinken. Dennoch eine Stadt zum Vorzeigen. Kein Wunder, denn sie ist Regierungssitz für den Galapagos Archipel. Der Airport ist nur einen Kilometer vom Zentrum entfernt. Hier hätte ich meine Reise beginnen sollen, denn hier lebt man vom Tourismus. Es gibt zahlreiche Hostels, Hotels, Restaurants und Reisebüros. Vier Tage bleibe ich, wovon noch zwei Tage ausgefüllt sind mit einem weniger aufregenden Programm.

Am 13. März besteige ich den Flieger und jette zurück nach Quito. Komme dort am Abend an, und da ich nicht nachts weiter reisen will - man sieht nichts und schlägt sich nur die Nacht um die Ohren - steige ich in Quito wieder im selben Hotel ab wie zuvor am 25. Februar. Aber bis zur kolumbianischen Grenze ist es noch weit, so weit, dass ich Tulcan am 14. März erst um 17 Uhr erreiche, wobei ich eine sehr schöne Landschaft passiere. Nachts fällt die Temperatur auf 13° C. Kein Wunder, denn der Ort liegt 2.960 m über NN. Morgen geht es weiter nach Kolumbien.       

Infobox
Einreise: Pass. Auf Einreisestempel achten!

Geld
Zahlungsmittel ist der US-$
1 Euro = 1,12 US $ im Reisezeitraum.

Transport

Ausschliesslich Bus. Gute Verbindungen. Ca. 3 bis 4 Cent/km.

Unterkünfte
Großes Angebot: Zi. mit Bad und Fr. Meine Wahl:
Guayaquil, Hostal Madrid, 25 $ o. Fr.
Cuenca, Hostal Monasterio, sehr gut, 20 $.
Quito, Hotel Huasi Continental, 15 $ o. Fr.

Galapagos Inseln
Puerto Ayora, Santa Cruz, Hotel Galapagos Islands. Keine Angabe, da pauschal gebucht.
Villamil, Isabela, Hostel Tintorea. Pauschal gebucht.
Baquerizo Moreno, San Cristobal, Hotel Leon Dormido, 25 $ o. Fr.
Tulcan, Hostal Las Acacias, 17 $ o. Fr.
 
Gefahren und Ärgernisse
Nichts Nennenswertes!