Demographie-Berater zeigen Chancen auf – für die Arbeitswelt in einer alternden Gesellschaft
Bochum, im Juni 2007 (JBH). Was tun, wenn der junge Finanzberater und sein älterer Kunde aneinander vorbeireden? Wenn Unternehmen Mitarbeiter 50 plus massenhaft in den Vorruhestand entlassen – und sich dann über Facharbeitermangel wundern? Hier ist der Demographieberater gefragt. Davon überzeugte die Info-Veranstaltung über den „Demographie-Berater nach INQA“ am Mittwoch in der Gesellschaft Harmonie. Eingeladen hatten Angela Siebold, Unternehmensberaterin und Gründungsmitglied von „ID55“ – dem „Forum für alle, die anders alt werden wollen“–, und Friederich Eul vom Berufsverband der Verkaufsförderer und Trainer (BDVT).
„Eine alternde Gesellschaft bietet Unternehmen Chancen. Der Demographieberater lernt, den Entscheidern dieses Wissen zu vermitteln", so die Referentin Melanie Harke von "healthpro". Das Düsseldorfer Marketing-Unternehmen hat eine Akademie gegründet, die verschiedene Qualifizierungen anbietet. Eine davon ist die zum „Demographie-Berater nach INQA“.
Gemeinsam mit der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) hat healthpro das Qualifizierungskonzept im Jahre 2005 entwickelt. Nach der Erprobung im Rahmen eines Modellprojektes wurde es 2006 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen erweitert und verfeinert. Im selben Jahr wurden 100 “Demographie-Berater NRW” im rebequa-Programm (Regionale Beratung und Qualifizierung) nach dem Konzept ausgebildet, mittlerweile wurden deutschlandweit über 350 Personen zu Demographie-Beratern qualifiziert.
Die Berater verfügen über ein Querschnittswissen zu den wesentlichen Fragen der Betriebs- und Personalpolitik aus demographischer Sicht. Auf dem Lehrplan der acht Tage umfassenden Ausbildung stehen einerseits Grundlagen: Wie sich etwa die regionale Bevölkerungsstruktur unter dem Eindruck sinkender Geburtenzahlen und ansteigender Lebensdauer verändern wird. Lehrinhalt ist aber auch die Beratungspraxis: Was können Betriebe tun, um mit einer alternden Belegschaft innovativ zu bleiben?
„Mit den Folgen des demographischen Wandels befassen sich Großunternehmen schon seit langem. In kleinen und mittleren Betrieben fällt dies häufig unter den Tisch, weil das Tagesgeschäft Priorität hat”, so Melanie Harke. "Durch die Demographie-Berater haben wir erreicht, dass sich auch KMU mit den Folgen des Wandels auseinandersetzen.” Aber auch Großunternehmen gehören zu den Kunden der healthpro-academy: so ließen in den letzten Thyssen/Krupp, die AOK, die Techniker Krankenkasse und verschiedene Verbände Mitarbeiter zu internen Demographie-Beratern ausbilden.
Dass die Qualifizierungsmaßnahme stark an regionalen Gegebenheiten anknüpft, weckte das Interesse der ID55-Gründerin Angela Siebold. Angela Siebold: „Wir sind interessiert daran, über die Demographie-Beratung den Aufbau eines regionalen Ruhrgebiets-Netzwerks zu initiieren. Wir müssen gerade hier das Thema in der Öffentlichkeit verfestigen. Nur so kann auf die Herausforderungen, die der demographische Wandel darstellt, von Seiten der Unternehmen und Kommunen adäquat reagiert werden.“
Ausführliche Infos zur Demographie-Berater-Ausbildung gibt es hier.

