Age-Management im Betrieb: Potenzial der Älteren nutzen

(ots) Im Jahr 2050 wird es rund 11 Millionen Arbeitskräfte weniger in Deutschland geben und auch die Altersstruktur der Arbeitnehmer ändert sich drastisch. Bereits 2020 werden die 50- bis 64-Jährigen den größten Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung haben. Wie Unternehmen durch „Age-Management“ in die Lage versetzt werden, das Potenzial der BestAger voll ausnutzen zu können, war jetzt Thema der 3. Wiesbadener Gespräche zur Sozialpolitik des Arbeitgeberverbandes HessenChemie. Titel der Veranstaltung:
„50 plus – Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft“.

 

Handlungsfeld für Politik und Betriebe
„Können wir es uns noch leisten, verstärkt auf das Potenzial der Jüngeren abzustellen und gleichzeitig auf das große Potenzial der älteren, gut ausgebildeten und erfahrenen Arbeitnehmer über 50 Jahren zu verzichten?“, fragte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes HessenChemie Karl-Hans Caprano zu Beginn der 3. Wiesbadener Gespräche. „Können wir nicht“, war die weit verbreitete Meinung unter den Unternehmern, die sich mit Vorträgen an der Diskussionsveranstaltung rund um Fragen der Sozialpolitik in Unternehmen beteiligten. Rund 200 Interessierte nahmen Mitte März an der Tagung teil.

 

Deutschland ist Spitzenreiter – bei der Frühberentung
Und so sieht die Situation aus: Im internationalen Vergleich ist Deutschland Spitzenreiter der Frührentner. Nur 38,4 Prozent der 55- bis 64-Jährigen sind bei uns noch erwerbstätig, in den USA sind es 59,9 Prozent und in der Schweiz sogar 64,8 Prozent. Das stellte das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln fest. Mehr als 60 Prozent aus dieser Generation sind also vorzeitig in Rente gegangen – eine Situation, die für die Zukunft nicht mehr tragbar ist. Auch hierüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. Ein Mentalitätswechsel ist nötig, um die Herausforderungen des demographischen Wandels zu bewältigen. Denn nur so werden die Potenziale der Älteren im Wirtschaftsleben, aber auch in der Gesellschaft, in Zukunft stärker genutzt werden können.

 

Was bedeutet „Age-Management“ eigentlich?
Im immer schärfer werdenden Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter können Unternehmen durch längere Teilhabe älterer Arbeitnehmer langfristig dem Fachkräftemangel begegnen, ist sich Caprano sicher. Was mögliche Handlungsfelder für ein „Age-Management“ sind, hat HessenChemie in einer Befragung unter seinen Mitgliedsunternehmen eruiert. Bausteine sind demzufolge: eine den Lebensphasen der Mitarbeiter angepasste Arbeitszeitgestaltung, Kurzzeitpausen, flexiblere oder verminderte Arbeitszeiten für ältere Arbeitnehmer und die Berücksichtigung Älter bei der Schichtplanung. Möglich sind auch Langzeitkonten, wobei der Arbeitnehmer ein Guthaben, das z.B. aus abgeleisteter Mehrarbeit bestehen kann, über Jahre anspart.

 

Mitarbeiter 50plus werden geschätzt – aber nicht eingestellt
59 Prozent der befragten Unternehmen machen eine selbstständige und damit altersgerechte Arbeitszeiteinteilung möglich, 45 Prozent achten auf einen ausgewogenen „Generationen-Mix“ im Betrieb. Die tiefgehende Praxis und das große Erfahrungswissen der „Älteren“ schätzen rund 84 Prozent der Unternehmen und nutzen dieses Kapital zum Beispiel durch Know-how-Transfer, Patenschaften oder Mentoring. Auch bei Weiterbildung, Schulung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter sowie der Zusammensetzung von Projektteams wird das Wissen genutzt. 78 Prozent der Betriebe stehen der Einstellung von Arbeitnehmern über 50 Jahren positiv gegenüber, zahlenmäßig überwiegen aber klar die jüngeren Bewerber bei den Einstellungen.

 

„Her mit den Älteren“: HessenChemie als Vorreiter
Einzelne Unternehmen der HessenChemie, wie etwa die Chemische Fabrik Kreussler & Co oder die B. Braun Melsungen AG, betätigen sich hier als Vorreiter. Sie geben ganz bewusst älteren Arbeitnehmern eine Chance oder setzen Qualifizierungsinstrumente zur Beschäftigungssicherung ein. Solche Beispiele müssen Schule machen, und sie sind auch für KMU interessant, meint Vorstand Caprano. Er will mit dem Einsatz eines Demographiemanagers im hessischen Arbeitgeberverband Chemie die Arbeitgeber dabei unterstützen.

 

Der Tagungsband zu den Wiesbadener Gesprächen kann unter www.wiesbadenergespraeche.de heruntergeladen werden.