Immer besser werden, und dünner

Früher soziale Kritik - heute intelligente Unterhaltung: Comedian Franziska Mense-Moritz. Foto: Christoph Fein

Franziska Mense-Moritz, Comedian, Rocktheater Nachtschicht

 

Mit 19 Jahren kletterte die Lehramtsstudentin erstmals auf die Bühne. Als Mitglied der N8chtschicht, die damals noch „Rocktheater Nachtschicht“ hieß. Nach „erfolgreich abgebrochenem Studium“ (O-Ton Fränzi) wurde die Bühne zu Beruf und Berufung. Nach der N8chtschicht gab es dann Mense-Moritz pur: als Schauspielerin im Öffentlich-Rechtlichen, als Sängerin und Sprecherin.

Mitte der 1990er geht sie zum Film („4 Geschichten über 5 Tote“ von Lars Büchel), in die Schule (Glen Buschmann Jazz-Akademie) und wird Mitglied des Geierabend-Ensembles. Seit 2002 mischt „die Fränzi“ im Rockorchester Ruhrgebiet mit und leistet sich seit 2005 ein eigenes Kabarettprogramm: „Warum ich?“. Mit ihrem Solo steht sie auch in diesem Herbst auf der Bühne, z.B. in Werne (11.10.07), in Bochum-Stiepel (12.10.) oder in Witten-Herbede (14.10.). Mehr: www.die-fraenzi.de

 

 

Ist Dir die Bühne heute immer noch so wichtig wie vor 25 Jahren?

Mense-Moritz: Wichtiger. 1982 war ich noch an der Uni eingeschrieben weil ich dachte, ich müsse was „Richtiges“ studieren. Das hat zum Glück nicht geklappt. Heute lebe ich von meiner Berufung. Als solche sehe ich den Job jedenfalls.

 

Haben sich im Laufe der Jahre die Inhalte der Lieder geändert?

Mense-Moritz: Ja. Früher glaubte ich, ich könne die Welt mit sozialkritischen Texten retten. Heute mache ich mich über soviel Naivität lustig, karikiere ich mich selber. Außerdem möchte ich die Menschen einfach nur auf intelligente Art unterhalten. Das wollte ich früher zwar auch, wusste das da aber noch nicht.

 

Welche Deiner Jugend-Träume haben sich erfüllt?

Mense-Moritz: Ich bin eine Bühnenkünstlerin geworden.

 

Welche Träume hast Du heute noch?

Mense-Moritz: So Klavier spielen zu können, dass mein Mann nicht dauernd fragt, ob was kaputt sei ...

 

Hat sich Dein Musikgeschmack verändert?

Mense-Moritz: Ich glaube nicht. Das Kufsteinlied hat mir auch früher nie gefallen. Das übe ich auch nie am Klavier ...

 

Worauf bist Du stolz?

Mense-Moritz: Ich habe Fans, die haben ihrer Tochter meinen Namen gegeben. So geehrt habe ich mich noch nie gefühlt.

 

Würdest Du aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Mense-Moritz: Nein.

 

Dein Tiefpunkt als Künstlerin?

Mense-Moritz: Die Erkenntnis darüber, wie menschenverachtend die Arbeit beim Fernsehen sein kann.

 

Dein Höhepunkt als Künstlerin?

Mense-Moritz: Jeder gute Auftritt ist ein Höhepunkt.

 

Was denkst Du, wenn Du heute Deine allererste Platte hörst?

Mense-Moritz: Gut, dass man sich weiter entwickelt …

 

Ist es mit fast 50 leichter, auf der Bühne zu stehen?

Mense-Moritz: Ab dem 40. Lebensjahr werden die Menschen in der Körpermitte dicker. Also auch schwerer.

 

Deine Vorbilder vor 25 Jahren? Deine Vorbilder heute?

Mense-Moritz: Vorbilder hatte ich nie. Ich habe immer einfach selber gemacht. Das ist immer noch so und wird sich vermutlich nicht ändern.

 

Was denkst Du, wenn Du heute den musikalischen Nachwuchs auf der Bühne siehst und hörst?

Mense-Moritz: Es gibt wunderbare junge Leute, die richtig viel können. Manchmal beneide ich die um ihre Unvoreingenommenheit. Manchmal denke ich: Dich würde ich gerne beschützen, aber da musst Du selber durch, sonst hast Du keine Chance. Was ich, nach Möglichkeit, immer sage ist: Lass Dir nix erzählen! Bleibe bei Dir!

 

Würde Dir etwas fehlen, wenn Du nie auf der Bühne gestanden hättest?

Mense-Moritz: Ja sicha!!!!

 

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Mense-Moritz: Ich möchte immer besser werden. Und dünner.

 

Zurück zu den Magazin-Themen!