Kreativ im Neun-Jahres-Rhythmus

Gibt gern den Ton an: Indianer-Squaw Klara Brandi. Foto: Christoph Fein

Klara Brandi, Bassistin und Flötistin, Cochise

 

Klara Brandi lebt in einem kreativen Neun-Jahres-Rhythmus. Die Musikerin kam als 18-Jährige in die Dorstfelder Wörthstraße. Hausbesetzungen, politische Aktivitäten und kreative Kontakte bildeten den Nährboden, aus dem eine der bekanntesten Gruppen der linksalternativen Szene entsprang. Nachdem die Flötistin und Bassistin ab 1976 mit der Folkband Manderley erste Bühnenerfahrung sammelte, gründete sie drei Jahre später mit Pit Budde, Günter Holtmann und Michael Hager die Gruppe Cochise. Die Indianer aus Dortmund geben der politischen Bewegung eine Stimme und viele Lieder, die zu Klassikern werden, wie etwa das programmatische „Wir werden leben!“

Ab 1985 ist Klara Brandi dann als Moderatorin im Radio zu hören. Auf der Bühne steht sie auch nach dem Ende von Cochise (1988) – u.a. mit der Frauenband Grooving Weibs oder als Bassistin bei den Conditors. 1998 lässt sie sich als Heilpraktikerin nieder, kann aber das Musizieren nicht lassen. Heute ist sie (just for fun) A-capella-Formation Chantik, des Collegium Vocale und der Irish Folkband Shannon Rovers.

 

 

Ist Dir die Bühne heute immer noch so wichtig wie vor 25 Jahren?

Brandi: Die Bühne war mir immer ein Graus. Es hat mich große Überwindung gekostet, vor vielen Menschen aufzutreten. Gott sei Dank stand ich nie alleine da oben. Auch heute habe ich immer noch großes Lampenfieber. Wenn das überwunden ist, liebe ich es immer noch sehr, auf der Bühne zu stehen.

 

Haben sich im Laufe der Jahre die Inhalte der Lieder geändert?

Brandi: Die Inhalte und Aussagen der Lieder von Cochise haben für mich ihre Gültigkeit nicht verloren. Fremdbestimmung, Umweltzerstörung, staatliche Willkür, die sich unter anderem in den modernen Formen der wirtschaftlichen Globalisierung zeigen, werden immer aktuell bleiben und damit auch Stoff für alle möglichen Kunstformen liefern.

 

Welche Deiner Jugend-Träume haben sich erfüllt?

Brandi: Ich hatte keine Jugendträume.

 

Welche Träume hast Du heute noch?

Brandi: Ich bleibe lieber wach.

 

Hat sich Dein Musikgeschmack verändert?

Brandi: Im Prinzip nicht.

 

Auf welche Deiner künstlerischen Leistungen bist Du ein wenig – oder sogar sehr stolz?

Brandi: Auf fast alle. Die, auf die ich nicht stolz bin … habe ich vorsichtshalber vergessen!

 

Würdest Du aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Brandi: Nein. Nichts!

 

Dein Tiefpunkt als Künstlerin? Dein Highlight als Künstlerin?

Brandi: Ich hatte nur Highlights! Egal, ob vor zehn Leuten im Jugendheim oder vor 30.000 auf der Friedensdemo in Bonn.

 

Was denkst Du, wenn Du heute Deine allererste Platte hörst?

Brandi: Tolle Platte, mieser Sound!

 

Was bedeutet Dir Deine künstlerische Vergangenheit?

Brandi: Ich habe es nie als Karriere betrachtet und es ist auch nicht vorbei! Ansonsten waren besonders die Jahre bei Cochise ein reicher Schatz an Erfahrungen und Erlebnissen.

 

Ist es mit 50 leichter, auf der Bühne zu stehen?

Brandi: Nein. Aber auch nicht schwerer.

 

Deine Vorbilder vor 25 Jahren? Deine Vorbilder heute?

Brandi: Ich hatte nie Vorbilder! Höchstens Impulsgeber. Bands wie Small Faces, Traffic, Mo, die Chieftains, Musiker wie John Mayall, Neill Young, Chrissie Hynde, Patti Smith und viele andere.

 

Was denkst Du, wenn Du heute den musikalischen Nachwuchs auf der Bühne siehst und hörst?

Brandi: Es gibt gute Sachen und jede Menge Mist. Aber wenn ich meine Tochter Charlotte auf der Bühne sehe und höre, geht mir ganz besonders das Herz auf. Und nicht nur, weil sie meine Tochter ist.

 

Würde Dir etwas fehlen, wenn Du nie auf der Bühne gestanden hättest?

Brandi: Ja, ungefähr ein halbes Leben!

 

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Brandi: Nach neun Jahren Cochise, neun Jahren WDR und neun Jahren als Heilpraktikerin möchte ich wieder etwas Neues starten. Das könnte bedeuten, dass ich wieder öfter auftrete. Ich bin selbst gespannt.

 

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