Das wollen wir doch mal sehen!

Prof. Dr. Rita Süssmuth eröffnet den ID55-Kongress 2012 zum Thema Bürgerschaftliches Engagement und die Generation 50plus im Ruhrgebiet.
Drei, die sich etwas zu sagen haben: Christa Thoben (CDU), Rita Süssmuth und Ingrid Pieper-Sentürk (VHS-Landesverband NRW) im VHS-Foyer.
Aufmerksame Zuhörer: OB Horst Schiereck, Prof. Dr. Rita Süssmuth und das Ehepaar Franz und Michelle Müntefering.
Dankeschön für eine gelungenen Beginn: Susanne Schübel (ID55), OB Horst Schiereck, Prof. Dr. Rita Süßmuth, Heike Bandholz (VHS Herne) und Klaus Bösche (Land NRW).
Offen für neue Begegnungen: Prof. Dr. Rita Süssmuth im Gespräch mit der Herner Grünen-Politikerin und Ex-Bürgermeisterin Dorothea Schulte.
Gefragte Frau: Der WDR bittet zum Interview für die "Lokalzeit Ruhr" am selben Abend.
Ich bin ein Gesicht des Wandels: Rita Süssmuth beim ID55-Fotoshooting mit der Fotografin Bettina Engel-Albustin.
Eine Politikerin zum Anfassen: Rita Süssmuth im Gespräch mit Kongress-Teilnehmerinnen.

Plädoyer für ehrenamtliches Engagement: Prof. Dr. Rita Süssmuth eröffnet ID55-Kongress und Eventwoche „Nur noch kurz die Welt retten“ zum bürgerschaftlichen Engagement 50plus in Herne

„Nur noch kurz die Welt retten?! – Endlich Zeit fürs Ehrenamt“ – Mehr als 200 Frauen und Männer der Generation 50plus suchten am Samstag, 2. Juni 2012, eine Antwort auf diese Frage beim Auftaktkongress zur gleichnamigen ID55-Eventwoche für alle, die anders alt werden wollen. Gastrednerin am Kongresstag, der zum 4. Mal unter der Schirmherrschaft von OB Horst Schiereck stand, war Prof. Dr. Rita Süssmuth. In Workshops diskutierten Prominente und Aktive aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, darunter u.a. Franz Müntefering, Christa Thoben, Uwe Knüpfer, Prof. Dr. Michael Falkenstein. Veranstaltet wird die Veranstaltungsreihe von der Initiative ID55, der VHS Herne und dem Projekt „Lernen vor Ort“ in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Herne und vielen Partnern.

Grußwort Horst Schiereck, Oberbürgermeister der Stadt Herne
Grußwort Klaus Bösche, Ministerialdirigent, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen
Grußwort Susanne Schübel, ID55-Gründerin

Die Zahl ihrer Ehrenämter ist mindestens so groß wie ihr politischer Einfluss – und trotzdem hat Prof. Dr. Rita Süssmuth, einst Präsidentin des Deutschen Bundestages und heute u.a. Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, oftmals gezweifelt, ob ihr persönlicher Einsatz überhaupt einen Sinn hat. Das war immer dann, wenn ihre Ideen mit Sätzen zusammenprallten wie „Kommt gar nicht in Frage“, „Das haben wir noch nie so gemacht“ oder „Wo kämen wir denn da hin?“ An solchen Abenden schlief sie resigniert ein, doch am nächsten Morgen waren sie wieder da: der Mut, die Haltung und die eherne Überzeugung, dass der gewählte Weg richtig ist. Trotz und alledem. „Da wollen wir doch mal sehen!“ wurde so etwas wie das Lebensmotto der heute 75-Jährigen Ausnahmepolitikerin, die dafür von den Zuhörern des ID55-Kongresses 2012 begeisterten Applaus bekam.

30 Minuten freier Vortrag
Prof. Dr. Rita Süssmuth ist eine schmale, kleine Person, schick, schlank und voller Energie in rotem Jackett und flachen Designer-Schuhen. Wenn sie eindringlich und leidenschaftlich über ihr Herzensthema – die Arbeit von Freiwilligen – spricht und zugleich druckreif formuliert, braucht sie kein Redemanuskript. 30 Minuten dauert ihr Eröffnungsvortrag, und das Publikum hängt an ihren Lippen.

Alt und jung zusammen

Mit dem Begriff Ehrenamt mag sich Rita Süssmuth nicht wirklich anfreunden („Wenig Ehre, viel Arbeit“) , sie bevorzugt die Bezeichnung „bürgerschaftliches Engagement“. Besonders vielversprechend sei es, wenn Alt und Jung zusammen aktiv sind und voneinander profitieren. Sie zitiert Projekte, bei denen erfahrene Handwerker jungen Gefängnisinsassen Kenntnisse und Fertigkeiten nahebringen. Und sie sieht großes Potenzial, wenn sich ältere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund dabei unterstützen, in der Schule Fuß zu fassen, eine Ausbildung zu beginnen oder nach dem Abitur ein Studium aufzunehmen.

Chancen für Frauen
Kein Thema lässt Rita Süssmuth aus, und es sind die Frauen, die Deutschlands wohl bekanntester Frauenministerin nach wie vor besonders am Herzen liegen. Prof. Süssmuth spricht davon, dass Frauen im Ehrenamt viele Stunden arbeiten, in den Vorständen aber kaum zu finden sind. Nach wie vor wurmt es sie, wenn Ehrenamtlerinnen mit den Worten „Ich kann das nicht“ ihr Licht unter den Scheffel stellen, viel lieber höre sie den Satz „Ich schaffe das“. Der demografische Wandel erhöhe die Chancen der Frauen, Verantwortung zu übernehmen. „Das hat nichts mit Frauenförderung zu tun, sondern wieder einmal mit wirtschaftlicher Notwendigkeit“, so Süssmuth.

Lebenslang lernen ist ein Muss
Notwendig sei auch die Umorientierung der Volkshochschulen. Diese hätten das große Potenzial der Älteren lange Zeit nicht genau genug erkannt, so die Verbandspräsidentin. Heute machten Männer und Frauen 50plus mehr als die Hälfte der VHS-Teilnehmer aus. Die Förderung lebenslangen Lernens auch und gerade in der spät- und nachberuflichen Phase sei deshalb keine freiwillige Zusatzaufgabe, sondern ein zentraler Baustein der Bildungsarbeit der VHS, der in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch mehr an Bedeutung gewinnen werde. Hier sei auch die Wirtschaft aufgefordert, bei ihren Belegschaften die Bereitschaft zu freiwilligem Tun anzuregen und zu fördern. Dafür gebe es in Deutschland bereits gute Beispiele, so Süssmuth.

Herne kann sich sehen lassen

Ein besonderes Potenzial stelle die große Bereitschaft der Generation 50plus zum bürgerschaftlichen Engagement dar. Damit diese weiter wachsen und gedeihen könne, brauchten die Freiwilligen nachhaltige Unterstützung und Qualifizierung durch das Hauptamt, um mögliche Konflikte schon im Vorfeld erkennen und lösen zu können, - eine wichtige Voraussetzung für Motivation und dauerhaftes Engagement. In diesem Zusammenhang habe Herne durchaus gute Erfolge aufzuweisen, dazu zähle zum Beispiel die Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement der Stadt mit ihren vielfältigen Angeboten und die Einführung der Ehrenamtskarte NRW, hinter der zahlreiche Partner stünden. Mit einem Augenzwinkern in Richtung Kommunalpolitik fragt sie in Richtung OB Schiereck, ob es bereits einen Ausschuss für bürgerschaftliches Engagement gebe. Da kann Hernes erster Bürger nur den Kopf schütteln. „Warum eigentlich nicht?“ fragt Prof. Süssmuth charmant lächelnd - und hat erneut den Applaus des Saales auf ihrer Seite.