Warum ein Beschäftigungspakt für Ältere nötig ist
Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben noch immer im Vergleich zu den jüngeren sehr ungünstige Beschäftigungschancen. Wer eine bestimmte Altersgrenze erreicht hat und aus der Arbeitslosigkeit heraus einen neuen Job sucht, ist gleich mit zwei Vermittlungshemmnissen belastet.
Vorbehalte von potenziellen Arbeitgebern hinsichtlich des körperlichen oder geistigen Leistungsvermögens oder der Lernmotivation erschweren häufig eine Beschäftigung Älterer. Dabei zeigen Forschungsergebnisse, dass diese vielfach sogar bessere Leistungen bringen als jüngere. Selbst bei Tätigkeiten, die mit hoher physischer Belastung verbunden sind, schneiden Ältere oft besser ab, weil sie nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit durch Erfahrung ausgleichen. Vor allem komplexe Aufgaben werden von ihnen besser bewältigt.
Die Personalpolitik von Unternehmen ist nach wie vor einseitig auf die Entwicklung Jüngerer ausgerichtet. Sicherlich verfügen die Jüngeren über die aktuelleren Qualifikationen. Dies ist aber oftmals das Resultat einer kurzsichtigen Personalpolitik, die ausschließlich die von den Schulen und Universitäten gelieferten Qualifikationen abruft und kaum in die Pflege der eigenen „Humanressourcen“ investiert.
Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und Europa ist die jugendzentrierte Personalpolitik in absehbarer Frist unhaltbar. Im Jahr 2010 wird ungefähr die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Unternehmen über 45 Jahre alt sein. Wenn die 50- bis 60-Jährigen künftig einen bedeutenden Anteil des Personals stellen werden, müssen sie als Leistungsträger behandelt und entsprechend gefördert werden.
Neue Ideen und Konzepte sind gefragt, die die Wettbewerbsfähigkeit der Älteren auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Dies kann nur durch eine gemeinsame Aktion aller Beteiligten in einer Region gelingen.
Der „Pakt50 für Nürnberg“ konzentriert sich bewusst auf die Zielgruppe der älteren Langzeitarbeitslosen (ALG-II-Empfänger) über 50 Jahren (50+). Ausgangspunkt ist der Umbruch des Arbeitsmarktes in der Region Nürnberg. Verlierer dieses Wandels sind einerseits Geringqualifizierte und andererseits Ältere. Auch wenn Personalabbau als natürliche Fluktuation über Sozialpläne oder Abfindungen abgewickelt wird, sind Ältere überproportional von Arbeitslosigkeit betroffen. Dabei bietet die Verschiebung der Tätigkeitsspektren in der modernen Industrie potenzielle Vorteile. Der Trend geht – auch an Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte – weg von der reinen Körperkraft, hin zu Tätigkeiten mit stärker kognitiven Anforderungen. Zu erfüllen sind Aufgaben mit weniger repetitivem Charakter und mehr Verantwortung. Darin liegen Stärken Älterer und somit Chancen für deren Wiedereinstieg in Erwerbsarbeit.
Quelle: www.pakt50.de/ziele.html
