Gründer-Geschichten: Die "Lebens-t-räume" des Rüdiger Peters

Rüdiger Peters: Für die Verwirklichung seiner "Lebens-t-räume" legt er selbst Hand an. Foto: JBH

Leise Töne – langer Atem: der Prototyp des "grauen Gründers"

 

Essen, im Mai 2007 (JBH). Die stereotypen Vorstellungen von der „Unternehmer-Persönlichkeit“ bedient Rüdiger Peters kaum: Er ist nicht der Typ, der den Raum, den er betritt, mit sonorem Selbstvortrag ausfüllt. Erst allmählich erschließt sich, wie viel Entschlossenheit und Nachdruck seiner moderaten Art beiwohnt. Leise Töne, langer Atem: Vielleicht ist Rüdiger Peters gerade deshalb der Prototyp des „grauen Gründers“.

58 Jahre jung, ist Peters seit fünf Jahren beruflich selbständig. Sein Metier: Möbel. Sein Motiv: Arbeitslosigkeit. Anfang 2000, gerade 50 geworden, wurde ihm gekündigt: „‚Nicht mehr rentabel’ – so begründete man die Schließung meiner Abteilung“. Der gelernte Möbeleinzelhändler war Mitte der Siebziger in den „Objektbereich“ gewechselt und hatte Krankenhäuser, Alten- und Behindertenheime mit speziellem Mobiliar ausgestattet. In 25 Jahren hatte er es bis zum Abteilungsleiter gebracht.

 

Zweieinhalb Jahre arbeitslos – "eine ganz schlimme Zeit"

„Entlassen, arbeitslos – da hing ich erstmal in den Seilen!“ Der Ex-Abteilungsleiter rutschte in die Abwärtsspirale aus Arbeitsamt, Anschreiben, Absagen. Er hatte einen Job, dann wieder keinen, dann einen neuen, und wieder war Schluss. „Am Ende war ich abgehängt, stand in der Reihe ganz hinten.“ Für die Familie Peters – Ehefrau Beate und die zwei Töchter Kerstin und Jasmin – "eine ganz schlimme Zeit.“ Am tiefsten Punkt wehrte sich Peters, wollte nicht als Opfer seiner Situation enden: „Es gab nur eine Alternative. Ich musste den Sprung in die Selbständigkeit wagen!“

 

Der Ausweg: Sprung in die Selbständigkeit

Er besuchte eine Gründerveranstaltung in Ratingen, schaute bei einer Go-Messe vorbei, sondierte das Terrain. Bald war klar: „Franchise kam nicht in Frage. Ich wollte keine Brötchen für Kamps verkaufen.“ Peters wollte wieder als Objekteinrichter arbeiten – auf eigene Rechnung. So machte er sich 2002 im Alleingang selbständig. Sein Werbematerial bastelte der PC-Neuling eigenhändig. Startkapital? „Das Überbrückungsgeld vom Arbeitsamt, gezahlt sechs Monate.“ Peters fuhr zu alten Kunden und Lieferanten, erneuerte Kontakte und hatte Erfolg – in bescheidenem Rahmen. Das liegt an der Wachstumsgrenze namens Vorkasse. Peters müsste hohe Summen über Kredite finanzieren – was er ablehnt (siehe Interview). Der Ertrag seiner Kleinaufträge jedoch ist begrenzt.

 

Lebens-t-räume – eine Geschäftsidee mit Zukunft

Hier setzt die Geschäftsidee „Lebens-t-räume“ an, sein „zweites Standbein“, das Ende Juni seine Tragfähigkeit beweisen soll. Lebens-t-räume zielt nicht auf Großkunden. „Lebens-t-räume“ ist eine Ausstellung von Möbeln, Gegen­ständen und Wohnideen, die der Zielgruppe – Älteren und Menschen mit Handicap – das Leben in den vertrauten vier Wänden erleichtern oder gar ermöglichen. Die fachliche Auswahl und Beratung übernimmt Peters. Denn er kennt die Belange der Zielgruppe aus über 30-jähriger Berufserfahrung genau. Peters: „Auch als Älterer oder als Mensch mit einem Handicap habe ich Lebensträume – und dafür brauche ich Lebens-Räume: Räume, in denen ich mich wohl fühle, in denen ich mein Leben führen kann, wie ich es möchte.“

 

Viel mehr als nur ein "Standbein"

„Lebens-t-räume“ ist viel mehr als nur ein „zweites Standbein“. Peters musste viel Überzeugungsarbeit leisten – beim Kooperationspartner, dem Einrichtungshaus Egemann in Essen-Kettwig, in der Familie, gegenüber Freunden, gegenüber den eigenen Bedenken. „Natürlich geht man als Selbständiger ein Risiko. Aber man hat Freiheiten, in denen sich die eigenen Kompetenzen unternehmerisch entfalten können. Das ist eine unglaublich positive Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte!“