Vorwort des Herner Oberbürgermeisters Horst Schiereck zum 3. ID55-Kongress „Wenn nicht wir, wer sonst?“ am 29. Mai 2010 in der VHS Herne
Wir hören immer: „Das Ruhrgebiet altert noch schneller als andere Regionen“. Für viele mag das ein gesellschaftliches Horrorbild sein, andere sehen das als Chance und Herausforderung und sagen: „Wenn nicht wir, wer sonst?!“
Das ist auch der Titel der diesjährigen Eventwoche von ID55. Gemeint und angesprochen ist die Generation 50plus, die die vielfältigen Möglichkeiten des Berufslebens gerade neu entdeckt.
Schon die erste Veranstaltung zum Thema „Wir sind viele und wir ändern alles!“ im Jahr 2007 machte ihrem Titel alle Ehre. In 2009 entstand dann die Aktionswoche „Das Beste kommt noch“, in der es vor allem um persönliche Lebensentwürfe im Alter ging. Die Macherinnen von ID55, allen voran Susanne Schübel, haben zahlreiche Kooperationspartner und -partnerinnen gefunden, darunter die Stadtbibliothek Herne, die städtische Gleichstellungsstelle, die Herner FilmWelt und allen voran die VHS, in deren Räumen der Kongress und auch die Workshops der Veranstaltungswoche stattfinden. In diesem Jahr kommen die Jobclubs der BestAger hinzu und auch das Projekt „Lernen vor Ort“ ist dabei.
Denn gewidmet ist die Eventwoche diesmal den Themen „Leben heißt Lernen“ und „Arbeit“. Genauer: es geht um das „Älterwerden im Betrieb“, um Chancen für Ältere in der Arbeitswelt von heute und morgen.
Deutschlands Wirtschaft steht nicht erst seit der Finanzkrise vor enormen Herausforderungen. Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind die eigentlichen Stichworte. Umso wichtiger ist es, dass am Arbeitsplatz wie auch in der Gesellschaft Kompetenzen und Lebenserfahrung wertgeschätzt werden. „Wenn nicht wir, wer sonst?!“ – die Generation 50plus ist jetzt aktiv. Frau und Mann engagieren sich und sie wollen sich auch in der zweiten Lebenshälfte weiterbilden. Deshalb ist es wichtig, dass das Angebot an Informationen und Weiterbildung, an Beratungsstellen und Jobinitiativen für die BestAger auch vorhanden ist.
In unserer Stadt haben Einrichtungen wie die VHS, die Stadtbibliothek, die Gleichstellungsstelle ihre Programme und Beratungen darauf eingerichtet. Partner wie ID55, die JobClubs der BestAger oder das vom Bund geförderte Projekt „Lernen vor Ort“ unterstützen unseren Weg aufs Beste.
Die Menschen im Ruhrgebiet sind dafür bekannt, dass ein Wandel sie nicht lähmt, sondern dass sie Veränderungen für sich nutzen. Auch ID55, die vom Land NRW ausgezeichnete Initiative für alle, die im Ruhrgebiet anders alt wer-den wollen, zeigt uns, wie das geht – und dies überaus erfolgreich. Auf eine Diskussion über Sparmaßnahmen im Bildungsbereich, wie sie aktuell gerade wieder ins Spiel gebracht wird, dürfen wir uns nicht einlassen. Wir dürfen die Generationen nicht spalten. Wir müssen mehr intergenerativ arbeiten. Denn Bildung gehört der Jugend wie dem Alter.
Schon heute begleiten viele ehrenamtlich engagierte BestAger junge Leute als Trainer während ihrer Ausbildung oder als Mentor beim Start ins Berufsleben.
Welche Kompetenzen in den kommenden Jahren gefragt sind und dass es der Generation 50plus nicht darum geht, jungen Menschen Arbeit zu nehmen, sondern sie mehr noch als bisher in ihrem Berufsleben zu unterstützen, auch darum wird es während des Kongresses und in der anschließenden Aktionswoche gehen.
Herzlichen Dank den Organisatoren, vor allem dem Team von ID55 sowie allen Partnern und Partnerinnen der Aktionswoche „Wenn nicht wir, wer sonst?!“
Und ganz im Sinne dieses Mottos wünsche ich unserer an Alter – aber hoffentlich auch an Weisheit – zunehmenden Gesellschaft mög-lichst viele junge Ideen für die Zukunft.
Horst Schiereck
Oberbürgermeister der Stadt Herne

