
Seit Wochen ausverkauft: Kinobrunch mit Leander Haußmanns Komödie "Dinosaurier - gegen uns seht Ihr alt aus" beendete am 6. Juni die erfolgreiche ID55-Eventwoche in Herne
(SuSch) Filme über das Thema Alter haben Konjunktur. Scharfsinnig, ehrlich und heiter blicken sie auf den Alltag von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Hollywood zeigt sich besonders geschickt darin, ewige Wahrheiten in zauberhafte Geschichten zu verpacken - ob mit Diane Keaton und Jack Nicholson in "Was das Herz begehrt" oder über Clint Eastwoods grandios inszeniertes Sterben in "Gran Torino". Für den Zeichentrickfilm "Oben", in dem ein trauernder Witwer sein Häuschen an Luftballons ins Abenteuer fliegen lässt, gab es sogar einen Oscar. Und selbst im Abräumer "Avatar" von James Cameron hat das Alter ein Wörtchen mitzureden - in Person von Sigourney Weaver als erfahrene Biologin mit ganzheitlichem Blick auf die Welt.
Da mochte auch Leander Haußmann, einstmals Intendant des Schauspielhauses Bochum und Regisseur hintergründiger Kinokomödien wie "Sonnenallee" , nicht zurückstehen. Unter dem Titel "Dinosaurier - gegen uns seht Ihr alt aus" inszenierte er Ende 2009 ein Remake des Films "Lina Braake - die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat", mit der Regisseur Bernhard Sinkel und die damalige Hauptdarstellerin Lina Carstens 1974 Furore machten. Der Stoff hat nichts von seiner Brisanz verloren: Lena (Eva Maria Hagen) kommt ins Altenheim, wo sich Johann (Ezard Haussmann) Hals über Kopf in sie verliebt. Als Johann hört, dass Lena durch einen windigen Banker (Daniel Brühl) Haus und Vermögen verloren hat, setzt er alles daran, Lenas Geld mit Hilfe seiner Kumpels aus dem Altersheim zurückzuholen, allen voran Walter Giller, Nadja Tiller und Ralf Wolter. Leander Haußmann lässt den Plan gelingen - mit viel deftigem Humor, Tragikomik und Gefühl für Timing.
Was Leander Haußmann an dem Stoff reizte, war wohl nicht allein das hochbrisante Thema, sondern vor allem die großen, heute betagten Schauspieler, die er bereits in seiner Jugend bewunderte und noch heute bewundert. Er habe diese Gladiatoren noch einmal in die Arena geschickt, sagt Haußmann zu seinem Film. Dies werde man so wohl nie wieder zu sehen bekommen. Haußmann: "Ich wollte einen Film machen, der von Alzheimer bis Zuckerkrankheit nichts auslässt. Ich wollte ihn aber so machen, dass die Leute lachen können und mit dem Gedanken aus dem Kino gehen, wie wichtig es ist, sich die Freude am Leben zu erhalten." Die Filmkritik folgte Haußmanns Argumentation und zeichnete die skurrile Alten-Komödie mit dem "Ernst-Lubitsch-Preis" aus.

