Alles im Eimer
Wallis Welt ist 'ne Wucht: Die Kabarettistin Esther Münch rockt mit ihrem Programm "Weise statt greise" den großen Saal der VHS
(SuSch) Kittel, Kopftuch und Wischmopp - mehr Requisiten braucht die Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlers alias Walli nicht, um die Welt zu erklären. Bei ihr steckt alles im Eimer: die Gesundheit, die Polletick und vor allem die Qualleferzierung, die Walli ganz besonders am Herzen liegt. Walli hat Haare auf den Zähnen, ihr Herz auf dem richtigen Fleck und einen unbestechlichen Blick für alles und jeden, der einen Fleck im Hemd hat. "Walli darf sagen, was ich denke", sagt Wallis Schöpferin, die Bochumer Kabarettistin und Sängerin Esther Münch, über ihre bisher erfolgreichste Bühnenfigur.
Esther Münch ist ein Ein-Frau-Kabarett. Mehr braucht sie nicht für einen höchst unterhaltsamen Abend. Im Ruhrgebiet ist Esther alias Walli alias Irma Heftich oder Sonschundda eine bekannte Größe. Das Publikum drängt sich in den prallvollen VHS-Saal, man kennt sie, man mag sie. Esther Münch moderiert seit vielen Jahren im Varieté Et Cetera, verjuxte die Fahrgäste als Stimme der U-35 und sorgte auch im Fernsehen für Spaß - bei Jürgen von der Lippe ebenso wie bei "Volle Kanne Susanne". 30 Jahre Bühnenerfahrung stecken in dieser Frau, die live einfach eine Wucht ist. Kein Wunder, wenn sie über "Qualleferzierung" schwadroniert, dann auch deshalb, weil Schöpferin Esther bestens ausgebildet istin Flöte, Klavier, Gitarre, Gesang und Improvisationstheater. Esther brilliert als Frontfrau in zahlreichen Bands. Ihr Repertoire reicht von Rock über Barjazz bis hin zu Blues oder Soul. Wer Esther a capella jemals „Oh happy day“ hat singen hören, weiß, was Gänsehaut bedeutet.
Mit dem Exklusiv-Programm "Weise statt greise" - eigens für die ID55-Eventwoche "Wenn nicht wir, wer sonst" auf die Bühne gezaubert - riss Walli das Publikum im großen Saal der VHS zu Lachstürmen hin. Eine Pointe jagte die nächste. Die ID55-Gäste - durch eine Verspätung zunächst leicht genervt - amüsierten sich wie Bolle über Wallis unauflösliche Hassliebe zum Ehemann Willi, ihre erotischen Erlebnisse mit einer Aprikose bei der Beckenbodengymnastik und die eigentümliche Sucht der Deutschen nach Ganzkörperenthaarung. Walli hat für jeden Pott einen Deckel. Ihre Botschaft: Nehmt das Alter nicht so ernst, es gibt doch so viel zu lachen! Sogar über die Jugend und ihre Schlabberbuxen. Flugs hüpft sie in das gehasste Beinkleid des Filus und stimmt das Publikum auf einen Rap ein: "Hänschen klein, ging allein." Joh ey, alle machen mit. Und staunen Bauklötze, als sich Putzfrau Walli zum Programmschluss in den Kulissen aus ihren Plünnen schält, um als kurvig-schöne, alterslose Sängerin mit sexy Wallemähne zurück auf die Bühne zu stürmen. Da ist sie perfekt: die große Überraschung über das, was die zweite Lebenshälfte so alles zu bieten hat.


